Szenario
Unwetter
Sturm reißt Leitungen herunter, Starkregen setzt Keller und Straßen unter Wasser.
Was passiert
Sturm, Gewitter, Hagel und Starkregen nennt man zusammen Unwetter. Der Deutsche Wetterdienst warnt in vier Stufen. Sie reichen von der gelben Wetterwarnung über die markante Warnung bis zum roten Unwetter. Die lila Stufe steht für extremes Unwetter.
Als Starkregen gilt laut BBK Regen von mehr als 25 Millimetern in einer Stunde. Kann das Wasser nicht schnell genug abfließen, entstehen Sturzfluten. Sie können überall in Deutschland auftreten, auch fern von Bächen und Flüssen.
Sturm kann Bäume umwerfen und Stromleitungen beschädigen. Im Münsterland knickten 2005 Strommasten unter der Schneelast. Dann fällt oft auch der Strom aus.
Die gute Nachricht: Unwetter werden meist einige Tage vorher angekündigt, schreibt das BBK. Ihr habt also Zeit, euch vorzubereiten. Bei Starkregen bleibt manchmal weniger Zeit. Bei einer Sturzflut bilden sich laut BBK schlagartig Wasserläufe über der Erde.
Dieses Szenario zeigt den Ablauf von der Warnung bis zum Aufräumen. Mehr zu Hochwasser und Schutz am Haus steht im Beitrag „Unwetter und Hochwasser“.
Unwetter und Hochwasser →Was schon passiert ist
Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Juli 2021
Starker Regen führte zu schweren Überschwemmungen, besonders im Ahrtal.
Quellen5
Was als Nächstes kommen kann
Das ist eine Einschätzung, keine Meldung.
Mit dem Klimawandel rechnet der Deutsche Wetterdienst mit häufigerem Starkregen und mehr Hitze. Auch Orte ohne Fluss in der Nähe können überflutet werden.
Wenn die Warnung kommt
Die wichtigste Regel bei einer Unwetterwarnung heißt laut BBK: zu Hause bleiben. Verschiebt Termine, wenn es geht, und arbeitet von zu Hause.
Erledigt dringende Besorgungen, bevor das Unwetter beginnt. Prüft eure Vorräte und legt Ersatzbatterien bereit. Füllt Trinkflaschen auf, falls Strom und Wasser ausfallen.
Sichert draußen alles, was der Sturm mitreißen kann, etwa Gartenmöbel, Fahrräder oder Blumenkübel auf dem Balkon. Schließt Fenster und Dachfenster, bevor der Wind auffrischt.
Droht Hochwasser, fahrt das Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen. Tiefgaragen können dann zu tödlichen Fallen werden, warnt das BBK. Prüft die Rückstauklappen im Keller, bevor das Wasser steigt.
Gebt amtliche Warnungen an Nachbarn, Familie und Freunde weiter. Vielleicht haben nicht alle die Nachricht bekommen. Haltet euer Handy auch nachts empfangsbereit. Ältere Nachbarn freuen sich über einen Anruf, bevor es losgeht.
Ladet Handy und Powerbank auf, solange noch Strom da ist. Legt Taschenlampe und Radio an einen festen Platz, den alle im Haushalt kennen.
Während des Unwetters
Bleibt drinnen und verlasst das Haus nur im Notfall. Schließt bei Hagel und Sturm Fenster und Rollläden. Haltet euch von ungeschützten Öffnungen fern.
Am besten wartet ihr in einem innen liegenden Raum im Erdgeschoss. Meidet den Keller, er kann sehr schnell volllaufen. Meidet auch Räume mit großer Deckenspannweite wie Hallen. Nehmt empfindliche Geräte vom Netz oder nutzt einen Überspannungsschutz.
Seid ihr draußen, sucht Schutz in einem Gebäude. Im Auto seid ihr bei Gewitter sicher, berührt aber keine blanken Metallteile.
Meidet bei Gewitter offenes Gelände, Bäume, Masten und Zäune. Haltet mindestens 50 Meter Abstand zu Überlandleitungen. Gibt es keinen Schutz, geht mit eng geschlossenen Füßen in die Hocke. Bei Hagel ohne Schutz legt ihr euch auf den Bauch und schützt Kopf und Nacken mit den Händen.
Denkt auch an eure Tiere. Beruhigt sie und achtet darauf, dass sie Wohnung oder Stall nicht verlassen können.
Hört Radio, um zu erfahren, wie sich die Lage entwickelt. Fällt der Strom aus, läuft ein Radio mit Batterie oder Kurbel weiter.
Wenn das Wasser steigt
Bei Starkregen und Hochwasser bieten höher gelegene Stockwerke den besten Schutz. Betretet auf keinen Fall den Keller. Läuft er voll, lässt sich die Tür von innen nicht mehr öffnen.
Im Wasser droht außerdem ein Stromschlag. Betretet keine überfluteten Räume, in denen Steckdosen oder Geräte stehen. Meidet Tiefgaragen, Unterführungen und U-Bahn-Stationen.
Dichtet Fenster, Türen und Abflussöffnungen ab, solange das gefahrlos geht. Schaltet Geräte und Heizung in Räumen ab, die volllaufen können, solange ihr dort noch trocken steht. Wenn nötig, nehmt die Sicherung heraus.
Fahrt nie durch überflutete Straßen. Haltet euch von Ufern fern, sie können unterspült sein. Bringt Kinder früh aus gefährdeten Bereichen in Sicherheit. Steht ein Auto bis über die Räder im Wasser, lasst es abschleppen, statt es zu starten.
Folgt den Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte. Müsst ihr die Wohnung verlassen, nehmt Notgepäck und Dokumentenmappe mit. Helft anderen, aber bringt euch selbst nicht in Gefahr. Kommt ihr nicht mehr sicher hinaus, wartet in einem oberen Stockwerk auf Hilfe.
Nach dem Unwetter
Ist jemand verletzt, leistet Erste Hilfe und ruft wenn nötig 112. Ist euer Haus stark beschädigt, bleibt draußen. Betretet es erst, wenn Fachleute es freigegeben haben.
Ist das Dach beschädigt, haltet ausreichend Abstand und ruft die Feuerwehr. Auch ausgelaufenes Heizöl oder andere gefährliche Stoffe meldet ihr unter 112.
Vorsicht in überfluteten Kellern, wenn dort der Hausanschlusskasten sitzt. Es droht ein Stromschlag. Nutzt elektrische Geräte nur, wenn sie nicht feucht geworden sind.
Haltet Schäden fest, bevor ihr aufräumt. Macht Fotos und informiert eure Versicherung. Trocknet nasse Räume rasch, damit kein Schimmel entsteht.
Meidet Wälder nach einem Sturm, dort können Äste noch herabfallen. Ob ein Weg sicher ist, erfahrt ihr bei eurer Gemeinde. Tragt beim Aufräumen feste Schuhe und Arbeitshandschuhe.
Plant die nächsten Schritte gemeinsam mit Familie und Nachbarn, rät das BBK. Nach einer solchen Nacht ist es normal, erschöpft oder unruhig zu sein. Sprecht darüber, das entlastet. Fragt Nachbarn, ob sie Hilfe brauchen.
Was ihr vorher tun könnt
Baut euch Stück für Stück einen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken auf, rät das BBK. Dann müsst ihr bei einer Warnung nicht mehr einkaufen gehen. Eine Hausapotheke erspart euch den Weg zur Apotheke.
Bereitet euch auf einen Stromausfall vor, mit Radio, Taschenlampe und Ersatzbatterien. Packt Notgepäck und legt eine Dokumentenmappe an.
Fotografiert euren Hausrat und bewahrt die Bilder gut auf. Das hilft später bei der Versicherung.
Installiert eine Warn-App wie NINA. Wohnt ihr zur Miete, sprecht bauliche Schutzmaßnahmen bei der Hausverwaltung an.
Vereinbart einen Treffpunkt, der außerhalb gefährdeter Bereiche liegt. So findet ihr euch auch dann, wenn das Handy nicht geht. Schreibt ihn mit den wichtigsten Nummern auf die Notfallkarte.
Schaut einmal nach, ob euer Keller eine Rückstauklappe hat und wo der Sicherungskasten sitzt. Fragt im Zweifel bei der Hausverwaltung nach. Notiert, welche Geräte bei Hochwasser zuerst gefährdet wären. Fragt bei eurer Gemeinde nach, ob eure Straße bei Starkregen gefährdet ist.
Notgepäck →Aus der Praxis
Eine Idee, keine Regel
Erfahrungen aus Camping und Outdoor, keine Empfehlung einer Behörde.
Der Blick am Morgen. Wer zeltet, schaut morgens auf die Warnungen für den Tag. Zu Hause reicht ein kurzer Blick in die Warn-App beim Frühstück. Kommt eine Warnung, plant ihr den Tag um.
Alles festzurren. Am Zeltplatz sichert man vor dem Sturm alles, was wegfliegen kann. Auf Balkon und Terrasse gilt das genauso. Holt Schirm, Kissen und leichte Töpfe rein. Was nicht reinpasst, bindet ihr fest.
Im Auto abwarten. Bergwanderer wissen, dass das Auto bei Gewitter Schutz bietet. Parkt dabei nicht unter Bäumen und berührt keine blanken Metallteile. Wartet, bis das Gewitter vorüber ist.
Packen wie fürs Wochenende. Packt das Notgepäck einmal so, als ginge es für zwei Nächte weg. Dann merkt ihr schnell, was fehlt. Rechnet aber damit, dass ihr auch länger nicht zurückkönnt, rät das BBK. Legt auch eine Taschenlampe und ein Ladekabel dazu.
Wasser nie unterschätzen. Auf Tour durchquert man keinen reißenden Bach. Zu Hause gilt: Fahrt und geht nie durch überflutete Straßen oder Unterführungen.
Häufige Fehler
Bei Unwetter noch schnell raus. Draußen ist die Verletzungsgefahr zu groß, schreibt das BBK. Erledigt Wege vorher.
Im Keller Schutz suchen. Bei Starkregen läuft er schnell voll, und die Tür geht nicht mehr auf. Geht nach oben.
Das Auto in der Tiefgarage lassen. Bei Hochwasser wird sie zur Falle. Fahrt es rechtzeitig heraus, solange die Ausfahrt trocken ist.
Durch Wasser auf der Straße fahren. Niemand sieht, wie tief es ist und was darunter liegt. Kehrt um.
Lose Sachen draußen lassen. Der Sturm reißt sie mit, sie können Menschen und Fenster treffen. Holt sie rechtzeitig rein.
Unter Bäumen Schutz suchen. Bei Gewitter und Sturm sind sie gefährlich, Äste können brechen. Sucht ein Gebäude oder das Auto auf.
Vor den Fotos aufräumen. Dann fehlen Belege für die Versicherung. Dokumentiert erst die Schäden mit Fotos.
Warnungen für sich behalten. Nicht alle bekommen jede Meldung, gerade ältere Menschen ohne Handy. Gebt sie an Nachbarn, Familie und Freunde weiter.
Euer Schritt
Bei einer Unwetterwarnung bleibt manchmal wenig Zeit. Was griffbereit liegt, müsst ihr dann nicht suchen.
Legt heute Dokumentenmappe und Notgepäck an einen festen Platz in der Nähe der Tür. Sagt allen im Haushalt, wo beides liegt, auch den Kindern.
Vereinbart einen Treffpunkt außerhalb gefährdeter Bereiche. Tragt ihn mit den wichtigsten Nummern in die Notfallkarte ein und druckt sie aus.
Installiert eine Warn-App, falls ihr noch keine habt. Gebt Warnungen an Nachbarn weiter, die keine Warnung bekommen.
Packt das Notgepäck für jede Person. Das BBK nennt unter anderem warme Kleidung, Regenschutz, Medikamente, Powerbank, Bargeld und eine Trinkflasche. Steckt Kopien wichtiger Dokumente in eine wasserdichte Hülle.
Kinder packen gern mit. Lasst sie ein Kuscheltier oder ein Buch selbst aussuchen. Dann wird aus der Aufgabe ein gemeinsamer Abend.
Schaut einmal im Jahr nach, ob alles noch passt. Prüft dabei auch, ob Medikamente und Batterien noch gut sind. Mehr braucht es für den Anfang nicht, den Rest ergänzt ihr nach und nach.
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